Schwerpunkte in Forschung und Lehre

Literatur – Recht – Medien:
Modellierungen von Öffentlichkeit in der Nachkriegszeit (1945–1962/63)

Auf welche Weise haben literarische Autorinnen und Autoren die ‚neue Öffentlichkeit‘ nach 1945 mitgeprägt? Wie haben sie deren Strukturen und Konflikte in ihrem Schreiben reflektiert? Welche Selbstdarstellungen und literaturgeschichtlichen Narrative bedürfen der quellenkritischen Revision? Das Ziel des Projekts ist die historisch differenzierte Analyse der literarischen Modellierungen von Öffentlichkeit 1945–1962/63 in den drei Westzonen und der frühen Bundesrepublik. Während sich eigenständige öffentlichkeitstheoretische Ansätze erst schrittweise entwickeln, findet die Aushandlung literarischer Öffentlichkeit in Westdeutschland zwischen 1945 und 1962/63, so die These des Projekts, in der Literatur selbst statt. Eine systematische Analyse dieser Aushandlungsprozesse steht bisher aus.

Das Projekt wählt einen methodisch innovativen Ansatz, indem es DH-basierte Zugänge (Data-Mining, Netzwerkanalyse) mit klassisch literaturwissenschaftlichen Ansätzen (ideengeschichtlich und rechtswissenschaftlich informierte Textinterpretation) kombiniert. In den Fallstudien konzentriert es sich auf fiktionale und nonfiktionale Prosatexte (Essays und Romane), in denen die Auseinandersetzung mit der Neuformation der Öffentlichkeit in besonderer Weise greifbar wird. Bibliothekarische Metadaten (DNB) lassen sich mit Blick auf personen- oder gruppenbezogene Publikationsprofile und ‑statistiken sowie verlagsbezogene Publikationsnetzwerke auswerten und visualisieren. Text- und Metadatenanalyse ermöglichen, methodisch differenziert, die Überprüfung tradierter Forschungsnarrative. Auf diese Weise wird eine kritische Revision der Literatur- und Öffentlichkeitsgeschichte der Nachkriegszeit möglich.

Aktuelles:

– »›Goethe und Einer seiner Bewunderer‹. Arno Schmidt und die Probleme literarischer Öffentlichkeit nach 1945.« Zur Publikation angenommen. Erscheint in: IASL 49 (2024), H. 1
– »Öffentlichkeitskonzepte bei Margret Boveri.« In: Zeitschrift für Germanistik 33 (2023), 328–347.
– [Rez.] Jürgen Habermas: Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik. In: Jahrbuch Extremismus & Demokratie 35 (2023), 332–335.
– [Rez.] Philipp Pabst: Die Bedeutung des Populären. Kulturpoetische Studien zu Benn, Böll und Andersch. 1949–1959. In: Benn Forum (2022/2023), 311–320.
– »Erbschaft ist Werkherrschaft und Vetomacht.« In: FAZ, 1. März 2023, N3.
– DH-Stipendium, Deutsche Nationalbibliothek, WS 2022/23.

Literatur, Kritik und Philosophie im 18. Jahrhundert

Im Fokus steht das Verhältnis von Literatur, Philosophie und Kritik, so in der Dissertation, die in detailgenauen Interpretationen und in Auseinandersetzung mit neuesten Forschungsergebnissen Lessings und Wielands ästhetische und moralphilosophische Ansätze profiliert. Sie zeichnet die Auseinandersetzung mit aristotelischen und ciceronischen Vorstellungen von »Phronesis« und »Prudentia«, ebenso mit der angelsächsischen Aufklärungsphilosophie (David Hume, Adam Smith, Shaftesbury) nach. Über die Dissertation hinaus wird der Schwerpunkt in einer Reihe von Vorträgen und Publikationen weiterverfolgt, zudem in der Lehre kontinuierlich vertreten. Von besonderem Interesse sind gegenwärtig, wissenschaftsgeschichtlich ansetzend, Öffentlichkeitskonzepte der Aufklärungszeit, darüber hinaus die Shaftesbury-Rezeption im 18. Jahrhundert.

Aktuelles:

– Gegenöffentlichkeiten im 18. Jahrhundert? Eine kleine Ideengeschichte. In: Reimagining the Public Sphere, 1800-2000. Hg. v. Seán Allan and Christian Moser. Bielefeld: Aisthesis. Erscheint 2024.
– [Art.] Christoph Martin Wieland (1733-1813). In: Handbuch Märchen. Hg. v. Lothar Blum u. Stefan Neuhaus. Heidelberg: Metzler 2023, 211–214.
– [Rez.] Angela Steidele, Aufklärung. Ein Roman. Berlin, Insel 2022. In: Arbitrium 41 (2023), 1–7.
– [Rez.] Von der Sprache verführt? Andreas Kablitz vermisst das Verhältnis von Literaturtheorie und Philosophie. In: JLTonline (06.12.2022). Link: http://www.jltonline.de/index.php/reviews/article/view/1167/2717.
– [Art.] Lessing, Gotthold Ephraim. In: Encyclopedia of the Philosophy of Law and Social Philosophy. Hg. v. Mortimer Sellers u. Stephan Kirste. Wiesbaden 2022. DOI: 10.1007.978-94-007-6730-0.
– Beobachtung und Urteil: Literarische Aufklärung bei Lessing und Wieland. Heidelberg: Winter, 2019 (Wieland im Kontext. Oßmannstedter Studien, Bd. 3).
– Carl Niekerk: [Rez.] Beobachtung und Urteil. In: Das 18. Jahrhundert 45 (2021), 315–316.
– Tristan Coignard: [Rez.] Beobachtung und Urteil. In: Revue Lumières 35(2020), 167–169.

Literatur in der DDR

Die literatur- und wissenschaftsgeschichtliche Auseinandersetzung mit Literatur in der DDR bildet einen Schwerpunkt in Forschung und Lehre. Ein Akzent des wissenschaftsgeschichtlichen Parts lag auf den Evaluationsprozessen nach 1989-1991. Gegenwärtig befasse ich mich mit Narrativen über ›DDR-Literatur‹. Dadurch grundiert ist die Auseinandersetzung mit literarischen Texten, etwa mit Biermanns früher Lyrik (Katalogbeitrag für die Ausstellung (2023) im DHM »Wolf Biermann. Leben und Werk«, kuratiert von Monika Boll).

Aktuelles:

– Vortrag: Freiheitsutopien auf dem Prüfstand: Lutz Seilers ›Kruso‹, Tagung: ›wer hinten geht / hat seine eigene welt.‹ Lutz Seilers literarische Arbeit, Universität Bamberg, 12.–14. Juli 2023.
– Der Sound der Drahtharfe. Wolf Biermanns Lyrik. In: Wolf Biermann. Ein Lyriker und Liedermacher in Deuschland. Hg. v. Dorlis Blume, Monika Boll u. Raphael Gross. Berlin: Chr. Links, 2023, 78–94.
– Vortrag: Konjunkturen von Narrativen über ›DDR-Literatur‹, Workshop: DDR-Literaturforschung, Universität Bonn, Juni 2022.
– Herausgeberschaft, Themenschwerpunkt: Germanistik in der DDR. Mitteilungen des deutschen Germanistenverbandes 64 (2017), H. 2.

Literatur und Erziehung

Einen Schwerpunkt in Forschung und Lehre bildet das Verhältnis von Literatur und Erziehung, insbesondere die Reflexion auf didaktische Konzepte in der Literatur wie auch auf didaktische Funktionalisierung von Literatur. Dabei rücken Gattungen wie Märchen, Fabeln, Parabeln, aber auch der Bildungsroman in den Fokus.

Aktuelles:

– [Art.] Christoph Martin Wieland (1733-1813). In: Handbuch Märchen. Hg. v. Lothar Blum und Stefan Neuhaus. Heidelberg: Metzler, 2023, 211–214.
– Christoph Martin Wieland: Märchen. Berlin: Insel. Ersch. 2024 (gem. m. M. Lepper).
– Sommersemester 2023: Pünktchen ohne Anton. Mädchenfiguren in der Kinder- und Jugendliteratur des 20. Jahrhunderts, Seminar (BA/LA), Universität Erfurt, Neuere deutsche Literatur
– Sommersemester 2023: Schildbürger in der Literatur des 18.–20. Jahrhunderts, Seminar (BA/LA), Universität Erfurt, Neuere deutsche Literatur
– Wintersemester 2022/23: Fabeln und Parabeln von Lessing bis Kafka, Seminar (BA/LA), Universität Erfurt, Literaturwissenschaften.